März 2005, Radiotracker, c´t, Zitate und Auszüge
aus dem Artikel:
„Befreit vom UKW-Frequenzmangel bieten Radiostationen im
Internet eine schier unendliche Fülle von Musikrichtungen und Wortbeiträgen.
Mitschnitt-Software eröffnet einen Weg zum Auffüllen des privaten
Schallarchivs.
Längst schien die prägende Kraft des guten alten Radios von
MTV&Co verdrängt zu sein, doch in letzter Zeit hat sich mancher Titel
abseits der geschmacksbildenden Fernsehkanäle auf Umwegen in die Top 10
geschlichen. Millionen verkaufter mobiler Player warten darauf, mit
interessanten Inhalten befüllt zu werden. Unzählige Internet-Radiostationen
bieten diese in Form von Musik und Wortbeiträgen.
Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Gruppen von
Internet-Radios unterscheiden. Zum einen gibt es Streams von klassischen
Broadcastern, die ihr Programm vom Frequenzkorsett befreien und parallel im
Internet anbieten. Meist geschieht dies in Form geschützter Real- oder
Windows-Media-Audio-Streams.
Zum anderen gibt es eine schier unüberschaubare Zahl reiner
Internet-Radiostationen, die ihr Programm als MP3-Stream über das
Hypertext-Transfer-Protokoll (http) zu Gehör bringen. Die Anbieter nutzen meist
Nullsofts Shoutcast-Server oder den Icecast-Server von Xiph.org, der auch
Ogg-Vorbis-Streams erzeugen kann. Die Server orientieren sich an Abspiellisten
und schicken neben dem Audio-Strom auch Basis-Metadaten wie Interpret, Album und
Titelname mit ins Netz.
Aufnahme-Software, die Real- oder WMA-Streams der
klassischen Radiostationen aufzeichnet, nutzt dazu den Vollduplex-Modus gängiger
Sound-Karten. Während der Wiedergabe wird die Ausgabe 1:1 aufgezeichnet und auf
Festplatte gespeichert. Dies geschieht häufig in unkomprimiertem WAV-Format,
manche Software wandelt die Aufnahme auch gleich in eine Ogg-Vorbis- oder
MP3-Datei.
Klanglich können die Inhalte der klassischen Broadcaster
selten überzeugen, da sie meist mit niedrigen Bitraten unterhalb von 64 kBit/s
daherkommen. Die kombinierte Wandlung digital/analog/digital macht den Klang
auch nicht besser. Dafür gibt es gerade in den Internetquellen des
öffentlichrechtlichen Hörfunks inhaltlich hochwertiges Sprachmaterial in Form
von Magazinen, Hörspielen oder Lesungen – die reduzierte Klangqualität kann man
da verschmerzen.
Wer des Englischen mächtig ist, sollte in diesem
Zusammenhang unbedingt einen Blick auf das Angebot der BBC werfen: Die Briten
bieten ein äußerst interessantes digitales Spartenprogramm. Generell ist beim
Aufnehmen über den Vollduplex-Modus zu beachten, dass alle am Stereo-Mixer
anliegenden Sounds (zum Beispiel auch der Systemklang beim Mail-Eingang) in der
Aufnahme landen. Auch das parallele Arbeiten an Programmen mit Sound-Ausgabe
sollte man für die Zeit der Aufnahme also unterlassen.
Ganz anders sieht es beim Empfang der reinen
Internet-Radiostationen aus. Die offenen MP3-Streams werden via http empfangen –
die Mitschnittprogramme können sie direkt auf der Festplatte ablegen
(„grabben“). Da der Umweg über die Soundkarte wegfällt, kann die
Aufzeichnungssoftware mehrere Stationen gleichzeitig abspeichern. Die Qualität
reicht von schwer erträglichen 32 kBit/s bis zu hochwertigen 192 kBit/s….
Der Radiotracker von RapidSolution grabbt die Mp3-Streams,
unterscheidet dabei allerdings nicht nach Radiostationen, sondern geht die Sache
genreweise an. Man setzt vor dem Start das Wunsch-Genre, definiert bei Bedarf
ein Bandbreitenlimit und drückt den Aufnahmeknopf.
Danach kann man verfolgen, wie der Radiotracker 20 und mehr
Streams gleichzeitig auf die Platte speichert – wenn die DSL-Leitung denn so
viel hergibt.
Nach der automatischen Trennung durch die
Smart-Split-Funktion bekommen die fertigen MP3-Dateien noch ein sanftes Fade-in
und –out verpasst, damit Titelmitschnitte von Stationen mit Überblendungen oder
hereinquasselnden Moderatoren angenehm zu hören sind…“