2006 Januar, mp3Player, Zitate und
Ausschnitte aus dem Artikel:
„Ohne sie hätte Apple niemals den Erfolg mit iTunes feiern
können, ohne sie wären bezahlte Downloads undenkbar. Und doch nerven sie immer
mehr Nutzer: Digital-Rights-Management-Systeme, kurz DRM, die den Einsatz von
gekauften Medien regeln. Doch die meisten Systeme sind schon ausgehebelt.
Keine Frage: Die legalen Download-Portale für Musik
erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Es hat sich gezeigt, dass die Nutzer
durchaus bereit sind, für Musik auch im Internet zu bezahlen. Doch je mehr
Downloads, desto größer wird auch der Widerstand gegen die Einschränkungen, die
der Käufer zusammen mit der Musik erwirbt. Schuld daran sind die DRM
(Digital-Rights-Management-Systeme), die aber seitens der Plattenfirmen zwingend
notwendig sind, damit gekaufte Musikdateien nicht beliebig und unkontrolliert
weitergegeben werden können.
Apple unter Druck
Das beste Beispiel ist der erfolgreiche Pionier Apple (www.apple.de) mit seinem iTunes-Dienst (www.itunes.de). Das Konzept sieht ein
geschlossenes Apple-System vor, in dem die User im iTunes-Shop Musik erwerben,
und diese dann entweder auf dem Rechner (PC oder Mac) mit der iTunes-Software
abspielen oder auf das mobile Abspielgerät iPod übertragen. Gerade mit dieser
Beschränkung wollen sich einige Apple-Nutzer nicht abfinden: Einmal bezahlte
Musik müsse letztlich auf jedem Player abspielbar sein. Basierend auf einer Idee
des Norwegischen Hackers Jon Lech Johansen, der schon den DVD-Kopierschutz CSS
geknackt hatte, hat sich das Hymn-Project entwickelt. Dahinter verbirgt sich das
Open-Source-Tool JHymn (www.hymn.org), das
sämtliche in der iTunes-Bibliothek abgelegte und mit Apples Fairplay geschützte
Dateien in ungeschützte MP3s verwandelt.: Dazu reichen einige rudimentäre
Einstellungen innerhalb der übersichtlichen grafischen Benutzeroberfläche. Apple
liefert sich seit einiger Zeit einen Wettlauf mit den Hackern und versucht mit
jeder neuen iTunes-Version, die Umwandlung zu unterbinden. Doch kaum ist – wie
jüngst geschehen – die Version 5 von iTunes erschienen, wird auch JHymn
entsprechend angepasst. Daran konnte auch ein Coup von Apple nichts ändern, bei
dem es gelungen war, mit einer neuen iTunes-Version ursprünglich geschützte
Dateien automatisch wieder mit dem FairPlay-Schutz zu versehen. Da das Tool mit
dem DRM auch den damit implizierten Kopierschutz aushebelt, ist das Einsatz in
Deutschland verboten. Die Beschränkung auf den iPod als einzigen Player, der
sich mit iTunes synchronisieren kann, wird indes von einem weiteren Tool
aufgehoben: BadApple (www.badfruit.com).
Nach der Installation des iTunes-Plug-ins lässt sich so ziemlich jeder
MP3-Player, sofern er vom Rechner als USB-Massenspeichergerät erkannt wird,
zusammen mit iTunes nutzen.
Apple: Legale Hintertür
Da DRMs einen wirksamen Kopierschutz darstellen, dürfen die
„Rechte“ nicht entfernt werden. Apple hat aber eine Hintertür eingebaut,
wenngleich dies ein wenig umständlich ist. Jede mit FairPlay geschützte
iTunes-Datei darf als Audio-File auf CD gebrannt werden. Dann sind allerdings
auch DRM-Einschränkungen verloren. Nun lässt sich das Audioinhalt mit einem
Ripper, etwa dem Windows Media Player, ganz legal ins MP3- oder WMA-Format
umwandeln und wieder auf dem Computer oder anderen externen Geräten speichern.
Windows-DRM geknackt
Dies funktioniert so auch mit geschützten Dateien, die auf
Microsofts DRM basieren. Dieses kommt bei fast allen anderen kommerziellen
Download-Diensten zum Einsatz; hier liegen die Dateien dann als WMAs vor. Auch
Microsofts DRM ist bereits geknackt, allerdings ist dies mit Tools wie „drm2wmv“
deutlich komplizierter zu bewerkstelligen und es wird eine gültige Lizenz
benötigt, um die Beschränkung aufzuheben. Laut Foreneinträgen funktioniert das
DRM-Knacken bislang auch nur mit dem WMP 9; für die 10-er Version wird aber
schon an Tools gearbeitet…
DRM legal umgehen
Das deutsche Urheberrecht verbietet das Umgehen wirksamer
Kopierschutzmaßnahmen bei digitalen Vervielfältigungen. Werde die Dateien jedoch
analog, also auch mit potentiellem Qualitätsverlust kopiert, greift die
Möglichkeit der legalen Privatkopie. Genau hier setzen Tools an, die das
Audiosignal auf dem Weg von der Soundkarte zu den Boxen abfangen und
aufzeichnen... Abhilfe könnte hier „Tunebite“ schaffen, das ebenfalls das
Audiosignal direkt nach der Soundkarte aufzeichnet – allerdings in vierfacher
Geschwindigkeit. Zudem lässt sich der Audiocodec und dessen Aufnahmequalität
selbst bestimmen und das Tool legt die Ergebnisse als einzelne ungeschützte
Dateien ab. Das Ergebnis eines Testdurchlaufs ergab tatsächlich eine fast
vierfache Geschwindigkeit bei einer Soundqualität, die den Vergleich zum
Original nicht zu scheuen braucht...
Heißer Tanz für Rechteinhaber
DRM-Systemen wird die Zukunft gehören. Spielen die
geschützten Formate heute fast nur bei Musikdownload-Diensten eine Rolle, wird
sich dies spätestens beim digitalen HDTV-Fernsehen ändern. Die großen
Hollywoodstudios werden ihre Filme nur dann zur öffentlichen Sendung freigeben,
wenn sie selbst bestimmen können, was die Zuschauer mit den Filmen anfangen
dürfen. Und oberstes Ziel ist hier das Verhindern der Weitergabe im Internet.
Doch genau wie es heute bei den Musikdateien der Fall ist, wird es in den
nächsten Jahren zu einem unerbittlichen Wettlauf zwischen Anbietern und Hackern
von DRM-Systemen kommen. An zahllose Updates diverser Abspielsoftware werden wir
uns wohl gewöhnen müssen.
So funktioniert DRM
Digital-Rights-Management-Systeme, die so genannten DRMs,
sorgen dafür, dass Medien – egal welcher Natur – mit bestimmten Rechten versehen
werden, die das Öffnen, Verändern oder Speichern regeln. So kann auch eine Email
mit einem DRM ausgestattet werden und sich zum Beispiel nach dem Versand
innerhalb einer bestimmten Zeit selbst „zerstören“. Heutzutage werden DRMs aber
hauptsächlich dazu eingesetzt, Musik- und Filmdateien vor unerlaubten Kopien zu
schützen. So werden Beschränkungen festgelegt, wie eine maximale Anzahl
erlaubter Kopien, Downloads oder die Beschränkung auf bestimmte Abspielgeräte,
wie es bei iTunes der Fall ist. Dies funktioniert im Prinzip sehr einfach: Ein
Inhalteserver verschlüsselt die Datei und weist ihr eine eindeutige Lizenz zu.
Diese wird auf Anforderung vom Lizenzserver erzeugt und dann inklusive der zur
Entschlüsselung notwendigen Codes der Abspiel-Software zur Verfügung gestellt.
Die Schlüssel werden dabei jeweils aus spezifischen Faktoren, wie etwa
Benutzernamen oder Gerätekonfiguration erzeugt. So können zwar DRM-Dateien
gemeinsam mit Schlüsseln verbreitet werden, öffnen lassen sie sich dagegen
nicht.
So geht´s
DRM legal mit Tunebite
entfernen
Mittels einer analogen Kopie lassen sich DRM-Beschränkungen
ohne großen Aufwand entfernen. Wie dies zudem relativ schnell funktioniert,
zeigen wir anhand des Tools Tunebite, das als Testversion die ersten 30 Sekunden
aufzeichnet. Sie können sich also ein Bild der guten Soundqualität machen.
Gefällt Ihnen Tunebite, lässt es sich für knapp 15 Euro freischalten.
1. Installieren Sie Tunebite und wählen den passenden Codec
aus, indem Sie die Musikdaten später ablegen möchten. Haben Sie noch keinen
MP3-Codec installiert, empfiehlt sich der kostenlose LAME-Codec.
2. Jetzt fügen Sie über die +-Taste die Dateien hinzu, die
Sie ohne DRM auch Ihrem System ablegen möchten.
3. Unter Optionen kontrollieren Sie jetzt im
Register High Speed digital Dubbing, ob der Wert auf 4 steht.
Bei Problemen mit der Qualität der fertigen Dateien sollten Sie hier einmal
2 oder 3 ausprobieren.
4. Anschließend starten Sie per Druck den
Umwandlungsprozess. Jetzt spielt der Mediaplayer oder das von Ihnen
unter XP gewählte Standard-Audioprogramm die gewählte Datei ab und zeichnet das
Audiosignal im Hintergrund auf. Die Mp3s oder Ogg-Vorbis-Dateien werden dann im
zuvor festgelegten Ordner abgelegt. Fertig!“