Mai 2006, PC Welt, Ausschnitte und Zitate aus dem
Artikel:
"Die meisten online gekauften Songs besitzen einen
DRM-Kopierschutz. Dieser verhindert, dass Sie die Musikstücke auf beliebigen
MP3-Playern und PCs abspielen können. Sie müssen sich das nicht gefallen lassen.
Wir zeigen Tricks, wie Sie die Dateien entfesseln.
Online gekaufte Musik ist in der Regel per DRM (Digital
Rights Management) vor dem Kopieren geschützt. Der Rechteinhaber, meist die
Plattenfirma, kann durch das Rechte-Management vorgeben, ob und wie oft ein
Titel gebrannt und auf mobile Player überspielt werden darf. DRM ist also nicht
immer ein Kopierschutz, sondern meist nur eine Kopierbegrenzung. Für die
Anwender bringt DRM nur Nachteile. Sie benötigen eine kompatible
Abspiel-Software – zum Beispiel den Windows Media Player oder iTunes – und für
unterwegs einen portablen Player, der das jeweilige DRM-Verfahren unterstützt.
Besitzer eines iPods können keine Musik abspielen, die aus einem Online-Shop
stammt, der Microsoft-DRM einsetzt. Umgekehrt können Microsoft-DRM-kompatible
Player, erkennbar am „Plays for sure“-Logo, keine Musik aus dem iTunes-Shop
wiedergeben. Kombi-Player, die beide Systeme unterstützen, gibt es nicht.
Günstige Modelle (40 bis 60 Euro) spielen in aller Regel nur ungeschützte
Musikdateien ab.
Weitere Mankos: Falls Sie kein Backup von Ihrer
DRM-Lizenzdatei angelegt haben, sind sie nach einer Neuinstallation oder einem
Festplattencrash futsch. Außerdem werden die Lizenzen automatisch an Ihren
Rechner gebunden. Wenn Sie mehrere Hardware-Komponenten austauschen, können Sie
die gekaufte Musik nicht mehr abspielen.
Für Linux-Nutzer schließlich ist DRM ohnehin ein rotes
Tuch, da es für das freie Betriebssystem keine Abspielsoftware gibt, die eines
der beiden genannten Verfahren unterstützt...
Darum geht´s: DRM umgehen
Viele im Internet gekaufte Multimedia-Dateien sind über
Digital-Rights-Management-Systeme geschützt. Die Industrie will damit
verhindern, dass Anwender die Dateien im Internet verbreiten oder kopieren. In
diesem Artikel erfahren Sie, wie DRM-Mechanismen eigentlich funktionieren und
wie Sie diese Gängelung durch die Industrie unterbinden. Außerdem zeigen wir,
wie Sie die gekaufte Musik archivieren, damit die Daten auch nach einem
Festplatten-Crash nicht verloren sind.
DRM: Diese Technik steckt dahinter
DRM besteht aus zwei Komponenten: der eigentlichen
Audiodatei in verschlüsselter Form und der Lizenz. Die Lizenz wird beim Kauf
überspielt und enthält den Schlüssel, der den Titel temporär fürs Abspielen oder
Brennen freischaltet. Damit das funktioniert, muss die Abspiel-Software das
jeweilige DRM-Verfahren unterstützen. Die meisten Online-Musikläden setzen auf
Microsoft-DRM, das der Windows Media Player unterstützt. Der Player sorgt dafür,
dass die Vorgaben in der Lizenz eingehalten werden, indem er die Anzahl der
Brenn- und Kopiervorgänge für den Titel zählt. Ist das Limit überschritten,
verweigert er weitere Kopien.
Wenn Sie bei einem Download-Shop einen Titel zum Kauf
auswählen, zeigt Ihnen der Dienst an, wie oft Sie den Song brennen und auf
DRM-konforme Player übertragen dürfen. Häufig gilt: zehnmal brennen und zehn-
bis 25-mal übertragen...
Praktisch: Downloads als MP3
Wesentlich anwenderfreundlicher sind Shops, die Dateien im
MP3-Format anbieten, das keinen Kopierschutz ermöglicht. Dazu zählt die
Internet-Filiale von Media Markt. Jedoch liegt bei diesen Anbietern nur ein Teil
der Songs als MP3 vor, bei http://musik.mediaonline.de zum Beispiel
rund 100.000 von ca. 800.000 Liedern. Das liegt daran, dass die Rechteinhaber
damit einverstanden sein müssen – und da gibt es offenbar so einige, die etwas
skeptisch sind. Die online gekauften MP3-Dateien lassen sich zwar universell
verwenden, also etwa beliebig oft brennen sowie mit jedem Hardware-MP3-Player
abspielen. Unkontrolliert weitergeben sollten Sie sie dennoch nicht. Denn sie
enthalten eine Identifikationsnummer. Dieses Wasserzeichen bleibt auch beim
Umcodieren und Brennen erhalten. Der Rechteinhaber kann anhand des
Wasserzeichens unter Mitwirkung des MP3-Shops den Käufer eindeutig
identifizieren. Sie sollten sich also hüten, die Musikstücke in Tauschbörsen
freizugeben. Auch Freunde, denen Sie im Rahmen der gesetzlich erlaubten
Privatkopie die Musik zur Verfügung stellen, sollten Sie in Ihrem eigenen
Interesse darauf hinweisen. Denn einige Plattenfirmen haben Agenturen damit
beauftragt, in Tauschbörsen gezielt nach Musik mit Wasserzeichen zu suchen.
Deren offizielle Käufer werden dann ermittelt und in der Regel per Abmahnung zur
Rechenschaft gezogen.
DRM knacken: illegal und selten
erfolgreich
Je länger man über die Nachteile von DRM nachdenkt, desto
mehr drängt sich die Frage auf, wie man die geschützten Dateien in ein
universelles Dateiformat wie MP3 umwandelt und die DRM-Fesseln dabei abstreift.
Eine nahe liegende, aber nach deutschem Recht illegale Idee wäre es, den
Schlüssel aus der Lizenzdatei zu extrahieren und damit die geschützte Musikdatei
zu entschlüsseln. Diesen Anlauf startete ein Hacker mit dem Pseudonym „Beale
Screamer“ Ende 2001, nachdem er Schwächen im Microsoft-DRM entdeckt hatte. Er
stellte eine Anleitung sowie ein Tool im Quelltext und als Binärversion ins Web.
Microsoft konnte jedoch durch ein Update des Media Players kurze Zeit später die
Schwachstellen schließen, so dass das Hacker-Tool nicht mehr an die Schlüssel
der Lizenzen gelangen konnte. Seitdem versuchen sich Hacker immer wieder daran,
das Microsoft-Rechte-Management auszuhebeln. Bis jetzt ist aber kein
erfolgreicher Fall bekannt geworden.
DRM legal entfernen: Umweg über die
Soundkarte
Seriöse Entwickler konzentrieren sich darauf, Programme zu
schreiben, die DRM-geschützte Dateien auf legalem Wege umwandeln. Denn nur mit
solcher Software lässt sich auch Geld verdienen. Legal bedeutet in diesem Fall:
Den Kopierschutz, der den Anwender am digitalen Weiterverbreiten hindern soll,
darf nicht umgangen werden. Die entsprechenden Dateien wenden daher einen Trick
an: Sie geben die Audiodateien wieder, greifen im gleichen Moment das Signal von
der Soundkarte ab und nehmen es zum Beispiel im MP3-Format auf. Inzwischen gibt
es sogar Tools, die die Stücke in doppelter oder vierfacher Geschwindigkeit
abspielen und aufnehmen, zum Beispiel Tunebite... Durch den kurzen analogen
Umweg gibt es kaum hörbare Qualitätseinbußen. Das Durchschnittsgehör wird das
Original nicht von der Kopie unterscheiden können. Tunebite wandelt beliebig
viele Dateien hintereinander vollautomatisch im Batchbetrieb um. Das Tool sorgt
dafür, dass die Kopie mit Ausnahme der Endung den gleichen Dateinamen und die
gleichem Metadaten (ID3-Tags mit Titel- und Künstlerangabe) bekommt. Das spart
lästige Tipparbeit…“