Disco Musik

Entstehung, Geschichte und Hintergrundinformationen

Allgemein

Disco ist eine Stilrichtung der Popmusik, die um 1975 zu einem eigenständigen Musikgenre wurde. Besonders wichtig für Disco Lieder sind die Tanzbarkeit, der Groove und ein Beat von ca. 120 bis 130 Schlägen pro Minute. Texte, Melodie und oft auch der Gesang treten hingegen eher in den Hintergrund. Die Blütezeit der Disco-Musik war zwischen 1976 und 1979, sie war prägend für die Mode, den Zeitgeist und das Lebensgefühl dieser Jahre. Die nach 1980 entstandenen Disco-Stile werden eher zur Elektronischen Tanzmusik (Dance) gezählt.

Geschichte

Mitte der 60-er Jahre wurden Diskotheken in den USA und in Westeuropa populär. Hier hörten junge Leute aktuelle tanzbare und eingängige Musik. Besonders populär war zunächst der Twist, zu dem sogar ein eigener Tanzstil entwickelt wurde. Später wurde in den Diskotheken häufig Soul- und Funk-Musik gespielt.

Als 1969 in New York das Tanzverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben wurde, entwickelte sich ein neues Selbstbewußtsein in der homosexuellen Szene. Zahlreiche schwule Clubs und Bars wurden eröffnet und bildeten die Anfänge der Discokultur der 70-er Jahre. Dort wurden wilde  Parties gefeiert. Die Musik war eine Mischung aus tanzbarem aktuellem Rock, Funk im Stil von James Brown und lateinamerikanischer Musik. Aus diesen Anfängen wurde um 1974 ein eigener Musikstil, der als "Disco" bezeichnet wurde.

Die Verknüpfung mit massentauglichen Refrains machte den Disco-Sound allmählich auch für das Mainstream-Radio interessant und er verlor seinen subkulturellen Charakter. So schafften zwischen 1974 und 1975 die ersten Disco-Hits den Sprung in die Charts: Rock Your Baby von George McCrae, Kung Fu Fighting von Carl Douglas oder Shame, Shame, Shame von Shirley & Company.

Als die Plattenfirmen das kommerzielle Potenzial erkannten, wurde begonnen, Platten speziell für Discotheken zu produzieren. Um die Tänzer länger zu unterhalten, wurden Maxi-Singles (12") und spezielle Remixe von DJs entwickelt. Der DJ spielte bei der Entwicklung der Disco-Musik eine wichtige Rolle. Seine Mixe und die Reihenfolge, in der er die Lieder spielte, entschieden darüber, ob die Tänzer Spaß hatten und auf der Tanzfläche blieben. Als Teil der Show forderte er oft zu kollektiven Begeisterungsgesten wie Schreie oder Hände-Hochheben etc. auf.

Auch in Europa knüpfte man bald an den kommerziell erfolgreichen US-amerikanischen Trend an. In Deutschland begann 1976 der Erfolg von Boney M mit Daddy Cool. Der Munich-Sound von Giorgio Moroder - geprägt durch die Dominanz von Violinklängen zu sich ständig wiederholenden Refrains - brachte Welthits wie Love To Love You Baby von Donna Summer, Fly, Robin, Fly und Get Up And Boogie des Mädchentrios Silver Convention hervor.

Die Beliebtheit von Disco Musik bei der Masse in Nordamerika und Westeuropa gipfelte 1977 in dem Film Saturday Night Fever. Die Handlung des Films entsprach dem Lebensgefühl der Disco-Generation: aus dem tristen Alltagsleben ausbrechen und für eine Nacht ein Star sein.

Nur wenigen Künstlern gelang es, als Star der Disco-Welle über das Genre hinaus eine lang anhaltende Karriere aufzubauen: Donna Summer wurde ebenso wie Barry White ein Weltstar. Die Bee Gees schafften mit dem Disco-Sound ein sehr erfolgreiches Comeback und waren auch maßgeblich am Erfolg des Saturday Night Fever-Albums beteiligt.

Die Disco-Welle beeinflusste auch in den 80-er Jahren weiterhin die Musik, unter anderem im House und Hi-NRG mit verstärkt elektronischer Instrumentalisierung und Verwendung von Samples. Während sich in Europa in den 80-er Jahren Euro Disco und Italo Disco entwickelten, wurde vor allem in den USA R&B wieder populär. Aus diesen Stilen entwickelte sich dann ein Teil der Dance-Musik. Vor allem House ist eng mit der eigentlichen Disco Musik aus den 70-er Jahren verwandt.

Heute wird der Begriff Disco Musik meist umgangssprachlich für tanzbare Musikstile elektronischen Ursprungs verwendet.